In der Sylvicultura oeconomica legt Hanns Carl von Carlowitz einen bemerkenswert modernen Gedanken zugrunde: Wald ist nicht nur Natur, sondern eine wirtschaftliche Schlüsselressource, deren Verfügbarkeit über Stabilität und Entwicklung einer ganzen Region entscheidet.
Als Oberberghauptmann im Erzgebirge war er mit einer Lage konfrontiert, die für das damalige Sachsen strategisch brisant war: Bergbau und Schmelzhütten benötigten enorme Mengen Holz, gleichzeitig waren viele Wälder bereits stark übernutzt.
Carlowitz beschreibt diese Knappheit nicht als abstraktes Umweltproblem, sondern als Versorgungsrisiko mit direkten Folgen für Wirtschaft, Infrastruktur und staatliche Handlungsfähigkeit.
Sein Ansatz geht deutlich über Aufforstung hinaus. Er fordert eine planvolle Bewirtschaftung mit klaren Regeln, langfristigen Zeithorizonten und dem Prinzip, nur so viel zu entnehmen, wie der Wald durch Wachstum und Verjüngung wieder bereitstellen kann.
Dabei verbindet er praktische Empfehlungen zur Waldpflege, Wiederbewaldung und Nutzung mit einer ordnungspolitischen Perspektive: Nachhaltige Nutzung entsteht nicht zufällig, sondern durch Steuerung, Verantwortung und konsequente Umsetzung.
Genau dieser Kern macht das Werk bis heute anschlussfähig. Es zeigt, dass wirtschaftlicher Ertrag und Ressourcenerhalt keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Aufgabe: Produktionsgrundlagen langfristig zu sichern, Risiken zu reduzieren und Wertschöpfung dauerhaft möglich zu machen.